Werkzeug · ISO 8062-3

Gusstoleranz-Check — Toleranzen gießgerecht auslegen

Zeichnungen tragen oft ISO 2768 im Schriftfeld. Für das Rohteil gilt das nicht. Wir ordnen Ihre Maße ein: Gussmaß, Mischmaß oder Fertigmaß — und zeigen, was unsere Formanlage halten kann.

Bauteil und Prozess

Zuerst das größte Maß und die Formanlage. Die Anlage folgt primär der Komplexität. Daraus folgen der CT-Standard und die RMA-Zeile.

Formanlage
Hinweis

Welche Anlage das Teil bekommt, hängt primär an der Bauteilkomplexität — nicht am Gewicht allein. Manche Teile lassen sich nur auf der horizontalen HWS fertigen, zum Beispiel wegen der Kerne. Das Stückgewicht ist der Arbeitsbereich der Linie.

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Normen, die auf der Zeichnung oft durcheinandergeraten

Warum ISO 2768 nicht für Rohteile gilt

ISO 2768 sitzt im Schriftfeld, weil viele Zeichnungen den Fertigzustand denken. Klasse f, m, c oder v plus Formbuchstabe soll Längen, Winkel und oft Form in einem Kürzel erledigen. Das gehört zur spanenden Fertigung — nicht zum Rohteil.

  • Rohteile haben ein eigenes Regelwerk. Für Rohguss gilt die ISO 8062-3.
  • Wer -mK auf die Rohkontur legt, mischt zwei Welten: Fertigmaß nach der Zerspanung, Rohteil mit dem CT-Feld der Formanlage.
  • Eine Bohrung, die erst gefräst wird, existiert am Guss noch nicht. Prüfen am Rohteil heißt Rohmaße. Das Aufmaß liegt darüber, damit die Schneide Material findet.

HWS-Formanlage und Disa-Formanlage bestimmen, wie das Teil gegossen wird — nicht, in welchem Zustand es das Werk verlässt. Putzen, Strahlen, Grundieren oder Lackieren macht Röth. Die spanende Bearbeitung übernimmt Röth ebenfalls, sofern gewünscht. Die Zeichnung muss Rohkontur und Fertigkontur tragen. Eine Fläche ohne Zugabe ist fertig gedacht und roh bestellt.

CT/DCTG vs. IT — die ehrliche Einordnung

CT ist die ältere, DCTG die aktuelle Sprechweise derselben Grade in ISO 8062-3:2023. Wir schreiben immer beide, etwa CT9 / DCTG 9.

  • IT-Grade kommen aus ISO 286, der Welt der Passungen.
  • ISO 2768-1 ist eine Allgemeintoleranz für Längen an bearbeiteten Teilen.
  • Drei Sprachen, drei Zustände. Es gibt keine offizielle Umrechnung.
CT9 bei 100 mm: Feld 2,2 mm · ISO 2768-f: ±0,15 mm Deshalb setzen wir keinen CT-Grad mit einem IT-Grad gleich. „Entspricht grob …“ bleibt ein Praxisvergleich. Verbindlich bleiben die Norm und die Abstimmung mit uns.

ISO 2768-2 (Form und Lage) ist zurückgezogen. Nachfolger ist ISO 22081:2021. Wer auf einer Altzeichnung -mK liest, liest ein zurückgezogenes Formkapitel plus eine Längentoleranz, die ohnehin nicht für das Rohteil gilt.

Aufmaß (RMA) richtig bemessen

Das Aufmaß nach ISO 8062-3 bzw. BDG-Praxis hängt am größten Gesamtmaß des Gussteils — nicht am einzelnen Feature.

  • Eine 40-mm-Nabe an einem 900-mm-Gehäuse bekommt die Zeile 1000 mm, nicht die Zeile 40 mm.
  • Sonst ist die Zugabe zu knapp, sobald Verzug und Versatz der großen Form greifen.
außen R = F + 2·(RMA + CT/4) Praxisregel, kein Normwortlaut. Innen mit Minus, an der Stirn einseitig.

Feine RMA-Grade (E, F) setzen ein abgestimmtes Modell-, Gieß- und Bearbeitungskonzept in Serie voraus. Sie sind abstimmungspflichtig, kein Katalogwert zum Ankreuzen.

  • Formschrägen-Flächen fallen aus der Allgemeintoleranz heraus — einzeln tolerieren.
  • Maße über die Formtrennebene sind kritischer.
  • Wanddicken dürfen nach Norm-Logik einen Grad gröber sein.
  • Versatz (SMI) liegt innerhalb der Maßtoleranz — er ersetzt sie nicht.
Alt-Zeichnungen: DIN 1680/GTB und DIN 7168

Auf älteren Zeichnungen stehen oft DIN 1680 oder DIN 1683 mit GTB-Graden und DIN 7168 als Allgemeintoleranz.

  • Das sind andere Tabellen als ISO 8062-3 und ISO 2768.
  • Ein GTB-Eintrag ist kein CT-Grad.
  • DIN 7168 ist kein Ersatz für ISO 2768-1 und gilt nicht automatisch für das Rohteil.

Vor der Serie die gültige Rohteilnorm schriftlich festlegen. Wenn Ampel gelb oder rot zeigt, ist die Anfrage der richtige nächste Schritt — nicht ein engerer Schriftfeld-Eintrag.

Wir helfen bei der Einordnung heutiger ISO-8062-3- und ISO-GPS-Angaben. Das ersetzt keine lizenzierte Norm und keine Vereinbarung.

Häufige Fragen

Was ist ISO-GPS — und was gilt für Rohguss, was fürs Fertigteil?

ISO-GPS (Geometrical Product Specifications) ist das ISO-Regelwerk für Größe, Form, Lage und Oberfläche auf der Zeichnung. Dazu gehören unter anderem ISO 8015 (Grundsätze), ISO 14405 (Größe), ISO 1101 (Form und Lage), ISO 2768 bzw. ISO 22081 (Allgemeintoleranzen) und ISO 286 (IT/Passungen).

Für Formteile gehört ISO 8062-3 zu diesem System: Sie ist die GPS-Norm für die Rohkontur. Am Rohguss gelten CT/DCTG und RMA. Schriftfeld-2768, IT-Grade und 1101-Zeichen beschreiben den Zustand nach der Zerspanung. Ein Mischmaß — eine Fläche noch gegossen — bleibt im vollen CT-Feld. Rohkontur und Fertigkontur müssen auf der Zeichnung getrennt sein.

Welche ISO-GPS-Zeichen gelten für Rohguss, welche fürs Fertigteil?

Die Tabelle ordnet gängige Angaben. Sie ersetzt keine lizenzierte Norm und keine vereinbarten Prüfbedingungen.

AngabeBedeutungRohgussFertigteil
CT / DCTGGusstoleranzgrad nach ISO 8062-3gilt für gegossene Maßegilt nicht fürs Fertigmaß
RMAAufmaß je Seite, Zeile über das Gesamtmaßlegt die Rohkontur festwird zerspant
ISO 2768-f/m/c/vAllgemeintoleranz für Längengilt nichtgilt, wo keine Einzeltoleranz steht
Schriftfeld −mK2768-Länge m plus Form Kgilt nicht für die RohkonturLänge ja; Form K zurückgezogen (ISO 22081)
± …Einzeltoleranz am Maßnur wenn das Maß als Rohmaß so stehtFertigmaß, wenn beide Enden bearbeitet sind
IT7–IT16ISO 286, Passungengilt nichtspanend
⏤ Geradheit / ⏥ EbenheitForm, ISO 1101nicht als 2768-Allgemein; Rohform nur nach 8062-3, wenn vereinbartFertig, mit Bezug
○ Rundheit / ⌭ ZylindrizitätForm, ISO 1101wie Form obenFertig, mit Bezug
∥ Parallelität / ⊥ Rechtwinkligkeit / ∠ NeigungRichtung, ISO 1101nicht über Schriftfeld-KFertig, Bezüge nötig
⌖ PositionOrt, ISO 1101Rohlage streut mit dem CT-FeldFertig, Datumsbezug
↗ RundlaufLauftoleranz, ISO 1101kein Guss-AllgemeinmaßFertig
Ⓔ HüllbedingungGröße, ISO 14405nicht automatisch am Rohteilnur wenn am Fertigmaß angegeben
Ⓜ / ⓁMaximum- / Minimum-Materialgilt nicht als Roh-AllgemeinFertig-GPS, wenn angegeben
ISO 8015Unabhängigkeit: Größe und Form getrennt, solange nichts anderes stehtRohteil hat eigene Gussregelngilt fürs Fertigteil
Orientierung für die Zeichnungslesart. Keine Umrechnung von CT in IT oder 2768. Formbuchstabe K aus ISO 2768-2 ist zurückgezogen.
Warum gilt ISO 2768 nicht für Rohteile?

ISO 2768 ist eine Allgemeintoleranz für spanend hergestellte Teile. Rohteile haben eigene Normen. Für Guss gilt ISO 8062-3 (CT/DCTG). Ein Eintrag -mK im Schriftfeld beschreibt den Fertigzustand, nicht die Rohkontur.

Was bedeuten CT und DCTG?

CT ist die ältere Sprechweise für Gusstoleranzgrade nach ISO 8062-3. Die Ausgabe 2023 spricht DCTG. Dieselbe Zahl, zwei Namen: CT9 / DCTG 9. CT16 heißt in der neuen Ausgabe DCTG 15wt und gilt nur für Wanddicken.

Kann ich CT in IT oder ISO 2768 umrechnen?

Nein. Es gibt keine offizielle Umrechnung. CT/DCTG und IT bzw. ISO 2768 sind normativ nicht äquivalent. Wir zeigen nur einen Praxisvergleich zur Orientierung, niemals eine Gleichung zwischen CT-Grad und IT-Grad.

Wonach richtet sich das Aufmaß (RMA)?

Nach dem größten Gesamtmaß des Gussteils, nicht nach dem einzelnen Feature. Eine 40-mm-Nabe an einem 900-mm-Gehäuse bekommt die Zeile 1000 mm. Feine RMA-Grade setzen ein abgestimmtes Modell-, Gieß- und Bearbeitungskonzept voraus.

Was gilt auf Alt-Zeichnungen mit DIN 1680 oder DIN 7168?

DIN 1680/1683 (GTB-Grade) und DIN 7168 sind andere Regelwerke. Sie sind weder ISO 8062-3 noch ISO 2768. Vor der Serie klären, welche Norm die Rohkontur wirklich trägt — und das mit der Gießerei schriftlich festlegen.

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Maß und Aufmaß für die Konstruktion klären

Schicken Sie die Einordnung mit der Zeichnung. Wir prüfen, was HWS oder Disa-Formanlage im Rohteil hält und wo Bearbeitung nötig ist.

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